Von der “Kunst” der Nachsuche

Über Nachsuchen zu schreiben ist fast müßig. Es gibt eine Fülle von Literatur dazu von sehr erfahrenen Schweißhundführern, die sich auch spannend liest. Ein Teil der Literatur ist unten angegeben. Viele Jägerinnen und Jäger haben selbst Hunde abgerichtet und geführt und eigene Erfahrungen gemacht. Sie wissen um Freud und Leid der Schweißarbeit und können in der Regel das Leistungsvermögen ihres Hundes einschätzen. Auch aus dem Lager der Jäger, die keinen Hund führen, gibt es profunde Kenner der Nachsuche. Wenn ich trotzdem über die Nachsuchen schreibe, dann nicht, weil ich es besser weiß, sondern weil mir gerade als steter “Nachsuchenanfänger” einiges aufgefallen ist, das ich mitteilen möchte, um den einen oder anderen Hinweis zu geben. Besser können sie das in den angegeben Büchern nachlesen. Jeder Weidmann (und natürlich auch -frau!) weiß es aus Erfahrung: auch ein guter Schuss f2hrt nicht unbedingt dazu, dass das Stück im Anschuss liegt und auch ein Meisterschütze trifft nicht immer die Zehn, dafür sind die einzelnen Situationen bei der Jagd zu unterschiedlich. Bei jedem abgegeben Schuss sollte davon ausgegangen werden, dass das Stück verletzt ist. Die Weidgerechtigkeit erfordert von uns eine Kontrolle und oft auch eine Kontrollsuche. Die Ungewissheit wird Hund, Hundeführer und Schützen immer zusetzen. Doch sollten wir uns dieser Mühe unterziehen. Leider wird zu wenig nachgesucht, in der Regel weil uns die Zeit und Geduld fehlt. Eines der häufigsten Fehler ist der, dass zu früh nachgeschaut und nachgesucht wird. Der Schuss ist raus und die Ungewissheit drängt uns nachzuschauen, was denn los ist. Gern wird dann auch noch im Dunkeln mit der Taschenlampe im Umfeld das Anschusses nachgeschaut und schon ist das verletzte Stück, das ins Wundbett gegangen war, wieder aufgemüdet und ist auf und davon. Das wird dann eine wirkliche Nachsuche, die nicht immer zum Erfolg führt. Wenn das Stück nicht im Anschuss liegt und nicht im Umfeld zu finden ist, ohne den Anschuss zu vertreten, dann ist erst einmal Zeit für eine ausgiebige Mahlzeit - ob Nachtmahl oder Frühstück hängt vom Zeitpunkt der Schussabgabe ab. Zwei oder besser drei Stunden sollte gewartet werden, damit das Wild krank wird oder im Wundbett verenden kann. Und eines weiß ich aus Erfahrung und Beobachtung: Nachsuche ist keine Nachtsuche!!!

Eine Nachsuche muss, wenn sie erfolgreich sein soll, immer mit aller Ruhe begonnen und durchgeführt werden. Unruhige Führer und Begleiter nerven den Hund und machen ihm unnötig die Arbeit schwer. Die Hektik kommt dann bei einer eventuellen Hetze sowieso schon von allein. über die Eignung des Hundes entscheidet nicht allein die Rasse, sondern seine Ausbildung, seine “Begabung” und sein Können. Die ausgesprochenen Spezialisten vermisse ich vor Ort in unserem Schalwildengebiet der Dübener Heide. Sie könnten einspringen, wenn es besonders schwierig wird, oder eine schwierige Nachsuche zu erwarten ist. Die Ausbildung eines Hundes für die Schweißarbeit ist ein langwieriges und mühevolles Unterfangen, das bei Erfolg aber auch viel Freude bereiten kann. Doch dazu bedarf es der Hilfe anderer Jäger: Revierinhaber, die ihr Revier für Übungsfährten zur Verfügung stellen; Jäger, die den Schweiß beim Aufbrechen auffangen, um ihn dem Hundeführer für die Übungsfährte zur Verfügung zu stellen; Helfer, die auch einmal eine Übungsfährte legen. Letztendlich kann es durchaus sein, dass ich eines Tages selbst dieses Nachsuchengespann brauche und es mir von Nutzen ist. Und eines sollte selbstverständlich sein: Wenn ich einen Hund gerufen habe, krieche ich nicht weiter durch den Busch, um dann dem ankommenden Hundeführer zu erklären, dass das Stück inzwischen gefunden ist. Jeder Hundeführer freut sich über die Möglichkeit zur Arbeit für seinen Hund, wann immer er die Möglichkeit dazu hat. Nur ein erfahrener Hund ist ein verlässlicher und das kommt nicht von allein. Nun wünsche ich allen auf Pirsch und Ansitz Weidmannsheil und wenn es nötig ist, einen brauchbaren Hund im Auto oder beim erreichbaren Hundeführer in der Nähe - nach entsprechender Mahlzeit.

 

Weidmannsheil

Ulrich Schade